POETENLADEN - neue Literatur im Netz - Home
 
 
 
 
 
 
 
und als sie aufstand...

...und den Tisch schwanken ließ, den Raum verließ und ausströmte, merkte sie, dass sie leergesaugt, weggepumpt war, wie vom größten Rochenmaul zermalmt wurde. auch hinter und neben ihr und oben auf, wie hintenüber schlugen sich Krater in staatenlose Felder. die Sonne war stets zu grell, war stetens zu grell, nicht wie Landfluchschatten, nicht wie Blättermeer, das hält. sie fiel, schlug auf, sie kreischte nach Luftpause, die nicht von hier kam, nicht nach der Sonnenwende mitten im Winter. und mit allem was sie je sagte, was alle je sagten lag sie schwer am Rand ihrer Lippen. es verklebte den Mund. alles müßte sie nun aufreißen, in sich reißen, wie herausreißen: die Lippen, die kleben, ineinander kleben und verkleben, aufreißen bis alles blutig, zerfetzt, entstellt liegen würde. der Saft rinnt auf die Erde, die streng steht, die stramm steht, der Saft aus dem zerfetzten namenlosen Ding und ein nicht dürfen. nein, sie darf nicht, alle dürfen nicht, wir dürfen nicht, haben es nie, werden es nie und das Ei im Kopf schlägt an die Rinde und zerrinnt, verfault in der Windung, in den Ritzen, wo es sich versteckt hat und hält in uns fest. Gestank bis zur Bestie hin, der ihren, der unseren. aber wir dürfen sie nicht, sie darf sie nicht wecken mit dem süßlichen Geruch, dem Verfaulten. und einmal war da die Teilzitrone, die am Himmel wuchs, die Hasen im Kopf, die Stimmen aller Wissenden, die keines mehr besaßen, nur den Krankheitsaufsatz, die Erleichterung eines Namens, einer Antwort auf schwarz weiß. alles wurde gelb, egal, die Antwort, die Buchstaben waren da. ihren Namen hatte sie geändert an jenem Abend, als er sich verformte, entformte, sich aus allen Statistiken und Statisten enthob, er sich in ihre Augen schnitt, mit fremdartigen, nichtwissenden Fragen. auch da durfte sie nicht, nein, nur nicht, um dieses Willens nicht, nein, bitte nicht. das Seil riss. sie sah bei allem zu während Zitterfinger in ihrer Maultasche nach dem Wort Netz suchten, es nicht finden konnten und auch der Fall war von der Seite gerollt worden. von wem? von wie? von woher? warum? und im Nachhinein, nach vielen Namenszählungen, kam es immer wieder mit den nicht lesenden Schreibfüllungen, den Augenfluten kam es angeschwemmt, ohne danach gerufen zu haben kam es, bäumte sich entgegen ohne sich vorgestellt zu haben, immer nur davorgestellt und dazwischen, ohne zu bluten, auszubluten. aber plötzlich können wir alles lesen, es in die Augenhand nehmen, mit der rechten Zungenspitze aufspießen, verweisen auf die Schachtelhalme, die Optionen, den Aus- und Einfluß. alles können wir plötzlich auf den erdachten Schweißhänden balancieren. aber sie hat es nie gesagt, nie die Lippen zerfetzt an ihr, nie das eine oder andere in den Mund genommen. hat sie nicht. wird sie nicht. niemals, nirgends, nirgendwo. und plötzlich ruft einer: "da läuft sie!", aber die anderen, dennoch die anderen, die daneben stehen und abseits stehen, nicht einmal am Weg stehen, auch nicht am Rand der Rinde lehnen, meinen, er und sie sollen sie doch laufen lassen, denn es zahle sich nicht aus, mache sich nicht bezahlt, da die Arbeit sich nicht rechnen würde, denn es sei ja immer wieder das Gleiche, das Selbe, wie immer schon, nie anderes gesehen oder gehört worden. da war doch nie ein Funke von entgegenkommen. da sind sie sich sicher. mit Sicherheit sei man sich sicher im Sicheren namensgebenden Fleisch - Brustgehöf. die Opfer werden geschlachtet. sie haben ihr zugesehen beim Fallen, doch niemand hat sie gesehen, nicht wirklich, nein. da war nur Körper und Haar und ein Strich mitten im Gesicht, ein seltsam befremdender Ausdruck und Aufdruck zwischen Augen und Nase in ihren Blicken. man mußte dann doch ausweichen, auf die Seite weichen, hatte ihr die Weichen gestellt, entstellt, damit sie in die andere Richtung weiter weg gehen konnte, nicht mußte, woher denn auch? niemand hat den Aufschlag ihres ganzen Geteilten gehört. man hat sich nur verhört, denn da war nichts bekanntes. nur sah man, wenn man hinhörte, plötzlich ihr Gesicht fallen, einen Fallhauch, der gleich nach dem Verlassen - "immer wieder ein Verlassen werden" - verpuffte, sich auflöste, sich löste von den Augenohren, die blindlings hörten. er verschwand dicht neben den Tischstühlen, im Glas des daneben Stehenden, auch wenn sie zuvor noch die Zähne zeigte um des Lachens willen, um des Willenlachens wegen. denn man darf nicht. einer schrak auf, meinte sie zuvor gekannt zu haben, aber meinte sich geirrt zu haben, als sie vom Tisch aufstand, sich stemmte gegen die Stuhllehne, alles einsammelte und wieder liegen ließ, da es nicht mehr ihren Namen trug. "aber wer ist das denn?", fragte er. die anderen fragte er wer das sei, aber niemand konnte ein Wort über sie verlieren, da sie niemand gesehen, gehört hat. um den Gürtel wollte sie sich schlingen, in ihn hinein verschlingen, unentwirrbar entschlingen in ihm, rund um ihn, denn da waren ja keine Füße mehr die Hände hatten. irgendwie hatte sie alles übermäht, wie auch übermannt, immer wieder, nicht alleine nur im Moment. nein, sie konnte es überall lesen, wie hören, dass sie ausgespart wurde. denn es sei ja eine zusätzliche Anstrengung, ein Aufwand mehr gegen die Wand hin. es sehe auch nicht hübsch aus, der Lese-, der Redelebefluß würde unterbrochen werden. ein Stocken würde da passieren. aber es geht um das Stocken, das Aufstocken, das hineinstocken, es geht um das und um nichts anderes, um keine verdammte andere geht es hier. keine, keine, niemals! die Gehirnzungen sind zu träge und verträglich alltäglich um sich zu entzüngeln. sind zu schlapp. sie hängen aus den Mundwinden, zu lose, zu phantasielos sprechen die Zähne mit den Zungenspitzen. zu entgeistert, zu flach, zu Gedanken- und Hoffnungslos abscheulich stellen sie sich dar. und alles zwecks einer, wegen der Übermüdung. sie wurde einfach ausgespart, wegrationalisiert aus einer Gewohnheit heraus und sie hinein verfrachtet in diese. ihr Platz war das jedoch nie. nein, aber und immer wieder aber. aber ihr Platz war das nie und wird es nie sein! da treten die Venen aus den Adern bis alles aufbricht, über sie hereinbricht, den Rest vielleicht, wahrscheinlich nie sprengen wird. und wieder fragte er wer das sei und wieder sahen ihn nur Augenhöhlen streng der Störung wegen an, die nichts wußten, über sie nichts zu sagen hatten. ja wie denn auch? wie denn, bitte? es ist und war ja zu anstrengend hatten sie gesagt mit ihren Worthülsen, die sie über sie gestülpt hatten, als der Hauch sich auflöste, in sich einlöste. auch die andere, die zu allen anderen gehörte, sagte, dass sie sich selber aussparte. sie griff nicht einmal zuviel zu, nicht einmal zu. auch sie nicht und auch du nicht! in ihrem Kopf detonierte plötzlich die Bombe, schmiß sich gegen ihre Hirnwände, zersplitterte ihr Wesen, das sich entweste, bevor es verwesen musste. keine Wahl, obwohl es Recht gibt für sie. sie kann ja, meinetwegen sie kann ja! sie braucht sich doch nicht so gebärden, so entbärden wie ein wild gewordenes Tier, Stier, der in der Arena vor allen Augen provoziert, produziert wird. ihre Schläfen schlagen mit einem Mal wieder aus, zertreten die End- und Aufsätze. die Zähne krallen sich an Beichtstrichen fest und jedes herankommende Lachen wirkt sterilisierend ausnehmend. am nächsten Tag hat sie dann andere Füße, andere Schritte auf den Boden oben auf. als wäre das Ei nicht aufgeschlagen, geht sie dann ganz vorsichtig um es zu schützen, obwohl es gar nicht mehr aufschlagen kann. glaubt sie, schätzt sie. die Hände, ihre Hände greifen dann immer neben die Sachen und Dinge, es gelingt nichts zu erheben über den Tag hinaus, schon gar nicht in die Nacht. sie wandert die Fremdschritte in die Gehöfe umrankt von Aalfinger neben der Brust. kein kennender Geruch, alles luftdicht verpackt in Wattenester. so, als hätte sie eine Schwerekrankheit überbrückt. so, als müßte sie sich wieder am anderen Ufer stärken liegt sie im Bett, bis zum Hals hinauf zugedeckt mit ihrem Geschlecht in der Hand. nur nichts mehr entblößen, alles wegstecken, in sich stecken und alles ausstecken. so, als habe sie den Schwächeanfall überwunden, sich selbst verwundet und wieder entwundet schlingt sie Mengen an Wortmittel, die Mittel zum Leben in sich hinein, um sich wieder zu füllen, auszufüllen, wie erfüllen. bis nachher, weit danach alles wieder seinen Ausgang findet, aus ihr heraus sich seinen Weg bahnt, ohne ihr zutun sich erbricht, bald zerbricht, wie Schale und erwürgt dessen Frage.

Print

Maria Seisenbacher
Prosa
Lyrik