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Ludwig Fels

ADLERNEBEL

Mit bloßem Auge zu erkennen
der Kopf im Spiegel
von vorne, wo das Gesicht ist
bis das Licht ausgeht
und ein Stück Himmel erscheint hinter
Fensterglas, Sternwolken
durch Tränen betrachtet
falls wir noch jemand lieben
ins Rötliche verschoben
geschmolzen, zerquetscht
bis oranges Licht austritt
und Sonne um Sonne in die Unendlichkeit fällt
täuschendes Blau im finsteren Schädel
jedes Auge ein anderer Himmel, strahlend
von Pol zu Pol
falls man noch an ihn glaubt, an ihn
der uns so ahnungslos verzweifeln läßt.

Langsam kehrt der erste Traum zurück
Wahrheit, Verfinsterung, Atem, Schwarzes Loch.
Schatten von Flügeln auf dem dreizehnten Mond
Kratzer im Panzer der Zeit.
Mit geschlossenen Lidern
auf dem Kopf stehend und
schwebend überm Muttermund
umfächelt vom Sonnenwind
so endlos weit entfernt
vom Rand der Ewigkeit.
Kaum wahrnehmbar
die Nacktheit des Gefühls:
daß es mehr als Sehnsucht gibt
mehr als den Tod.

Näher jetzt dem tobenden
Herzen Gottes, verschollen für immer
in seinen Wundern.

Aus: Egal wo das Ende der Welt liegt. Jung und Jung 2010

Ludwig Fels    20.07.2010    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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Lyrik