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Jan Wagner
ikone

so lag sie vor mir. nur ein weiteres brett
aus der maschine, doch in seiner maser-
ung ein gesicht, ein astlochblick, ein lächeln, bereit,
uns allen zu vergeben. der gesang der messer,

ein jubilus von sägen, schnitt um schnitt,
doch niemand sah hin: an ihre förderbänder
und fräsen gelehnt die männer, eingeschneit
von mehl und spänen, jeder in seinem winter.

doch wieder ist september, steht der wald
als rahmen um das werksgelände, belegen
blätter und sonne ihn mit dünnem gold,
während ich bebend stamm um stamm zersäge:

sie kehrt zurück, wenn ich auch spüre,
wie man sich ansieht, wenn ich auch die lippen
der anderen zu lesen weiß. ich schwöre
dies mit den beiden fingern, die mir bleiben.

Jan Wagner      08.02.2007       Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

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Lyrik