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Hans-Karl Fischer

Das Pendel betrat
Ein Wirtshaus, es
Schwankte, wohin
Es sich setzen
Sollte: da nahm es
Der Ober bei der
Kette und führte
Das Pendel zu
Einem Stuhl.

Er hängte es
Über die Lehne,
Er legte die
Speisekarte
Auf die Sitzfläche:
Das Pendel
Überlegte, was
Esse ich.

Es konnte sich dabei
Selbstverständlich
Nicht still halten,
Bei jedem
Gericht schlug das
Pendel vor
Freud oder Ärger aus.

Hinter der Theke
Standen drei
Männer, der
Kellner, der Koch und
Der Wirt: sie
Warteten gespannt
Auf die definitive
Willenserklärung
Des Pendels.

Das Pendel war
Jedoch gar nicht
Erfreut oder
Verärgert, es war
Einfach nur mystisch
Aufgelegt, es
Wartete ja selbst auf
Seinen rundlichen
Ausschlag von
Links nach rechts.

Das Pendel forderte
Eine Landkarte, es
Schwebte, sowie ihm
Der Kellner die Stand-
orte erklärt hatte, über
Allen Forellen-
weihern und Wild-
schweingehegen in der
Umgebung.

Als es noch
Immer nicht im
Uhrzeigersinn
Ausschlug, bat es
Den Koch, die Hand
An seine Kette zu
Legen, nein so,
Daß es den warmen
Lebendigen
Pulsschlag des
Koches spüre.

Als das auch nichts
gegen seine schwan-
kende Unentschiedenheit
Half, ging das Pendel mit
Den Worten „seht
Ihr denn nicht, daß
Ich aus Eisen
Bin – essen ist nichts
Für mich“ zur
Türe hinaus.

Hans-Karl Fischer   20.08.2013    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Hans-Karl Fischer
Lyrik