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Frank Milautzcki
Das verlassene Haus

Wir kamen den Berg herunter unter riesigen Eichen, wilden
Kirschen und großen Akazien und sahen das Haus
im letzten Moment, altes schwarzbraunes Holz bilden
Turm und Gefache und als Augenlider Bögen des Glasbaus.

Tritte, die eigene Sehnsucht hoch, eine umwucherte Einfahrt
Schritte, rasch hin, ein erstes Umfassen von Ausmaß und Traum,
und kamen ums Eck, entlang Sandsteinlisenen, dem Holzbart
des überdachten Eingangs zu, saß ein Junge im Schattenraum.

Sein ipod hing wie ein cremeweißer Amulettstein
in seinem Habitus und trommelte eine wachsende Abulie
in das überflutete Gehirn, ließ kaum herein
was meine Gebärde den wortlosen Fragen entlieh,

die das Haus in uns machte, mit Efeu berankte
Adressen des Traums, der mit der Takelung herbeiwuchs,
im Schiff unserer Gedanken die Fenster zu öffnen anlangte.
Der Junge saß gelangweilt auf der Treppe beim Buchs

und sah hinter Sommersprossen hervor, als würde
Druck in seinem Innern gefangen sein und wir beugten
den Blick in sein Wesen und fanden ein mit Hürde
um Hürde Geriggtes, nicht zu sehen was wir beäugten.

Nach der Mutter gefragt kam kaum Antwort, der Vater
käm bald von der Arbeit, und jeder Satz nur ein Nicken,
Würmer aus der Nase, wir ahnten ein großes Theater
und Tragik und wurden selbst stiller. Ging ohne aufzublicken

die Straße hinab, als hätte ihn das Lächeln vertrieben
von dort, wo er sich still in das Zerfallen teilte,
jede schräge Rolllade, jeder zerbrochene Ziegel, jedes Verschieben
ein Teil seiner Kindheit, die sich in ihm verkeilte.

Wir fragten uns das und warum das Glück mit uns eilte.

Frank Milautzcki  10.07.2008   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen Diese Seite weiterempfehlen

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Lyrik
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