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Enric Casasses
Erinnerungen des Teufels

 

Post Indigetes asperi se proferunt, gens ista dura, gens ferox venatibus, lustrisque inhaerens Aviè, Ora maritima

Ich erinnerte mich nicht mehr an den Hunger, den ich hatte ...
Am Boden mit den Fingern oder einem Stein kratzend
wählte ich kleine Steine aus, ohne zu wissen, warum ich es tat.
Zusammengekauert schabte ich in der Erde mit den Fingern
und erinnerte mich nicht einmal mehr an den Hunger, den ich hatte.
Ich hatte zuvor wohl, ohne darauf zu achten,
Schreie und Getrampel von Tieren gehört, denn später
erinnere ich mich noch gut an Schreie und Getrampel
wohl von Wildschweinen aber warum liefen sie
so aufgescheucht umher, wenn alles leuchtende Ruhe war
und drei Steinchen und ein Stückchen Erde
bedeutsamer sogar als der Hunger?
Die Schreie erschütterten nicht die Stille
und Engel bringen uns Teufeln das Futter hinab.

Aus:: vier nach. Katalanische Lyrik nach der Avantgarde. Hrsg. u. ins Deutsche
übertragen von Àxel Sanjosé. München: Lyrik Kabinett 2007

Enric Casasses    29.01.2009      Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht     Seite empfehlen  empfehlen
 

Enric Casasses
Lyrik