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Elke Erbs
Poetics  32  


So etwas war noch nicht


Da ist ein Wunder. Ich verstehe nichts, außer: das ist ein Gedicht.
Mir gefällt sogar, daß ich nichts verstehe. Ist es demnach wohl schön?

Vielleicht, sage ich mir, ist es Musik. Und zwar lautlos.
Es ist lautlos, meine Stimme folgt ihm nicht.
Ich folge ihm nur mit den Augen.

Poetologisch gesehen, ergibt die Titelzeile eine kleine Erkenntnis:

Mit ihrem abwertend anmutenden, gewiß aber abständigen Signalement
& befremdendem Fettschwarzdruck bestellt sie dem Text
einen Abstand von ihr, der („Trick 17“) bewirkt,

daß er einen unbehelligten Freiraum einnimmt!


Wie die Mutter mit dem Teppichklopfer

Augen, die sich übergehen

ein Stück, ein kleines Stück geht
Schoßhund Engelsflügel – dieses Weinen

innen blau und außen auch
zwei Augen

(Christian Filips)

–––––––––––––
–––––––––––––

Nein, sehe ich, die Freigabe seitens der Titelzeile macht es nicht,
ich decke sie zu, und der Text steht auch ohne sie souverän!
(„Trick 17“ wäre in anderen aber wirksam (Erfahrung!)).

Jetzt habe ich es verstanden (wiederum poetologisch):

seine Nennungen (die Nominative samt der Verben)
überholen das vorgängige Fließen eines Worts in das andere:
Die übliche Verfolgbarkeit.

Sie erklären, daß sie (sich zurückhaltend!) –
der Vorgang sind! Das substantivierte Verb Weinen
nimmt ihn auf, er dreht

zurück in das vorgängige Wort „sich übergehen“ oben:
ich lese Übergang, verstehe: Übergabe.

Muß ich mich wegen des – gewiß auch zweifelhaften,
dergleichen findet sich oft! – Hineinlesens tadeln?

Ich verstehe doch nun, es handelt sich um eine Übergabe.
Des Vorgangs in das, was er nennt; er übergeht den Vorgang
mit sich selbst. Poetologisch eben gesehn!
Elke Erb   29.05.2014   

 

 
Elke Erb
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