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Claudia Gabler

Es war genau die Anordnung der Sofas, wie ich sie mir
immer gewünscht hatte. Aber die Frau daneben war ein bißchen
zu blaß und ihr Lippenstift zu perfekt. Ich vermutete, daß es hier
kein Fenster gab. Nicht um es zu öffnen und nicht, um sich raus
auf die Straße zu werfen. Der Mann in der Ecke füllte nur einen geringen
Teil des Zimmers. Er konnte auf den ersten Blick nur ein Dirigent sein
oder einfach ein Musiker oder ein einfacher Mann der Arbeit. Trotz der
Aufgaben, die vor ihm lagen, wirkte er glücklich. Seine Knie waren die
schönsten Knie, die jemals das Licht der Welt erblickt hatten. Mit diesen
Knien konnte er eigentlich nichts anderes als Schauspieler werden.
Aber er hatte ja schon einen Beruf.


Der Mann hatte ein Glas Cola auf den Teppichboden geschüttet.
Aber vielleicht war es auch nur der Umriß seines Körpers, der sich
als Schatten einmal diagonal durch den Raum gelegt hatte. Manchmal
wirkte er auch wie ein Angestellter, der die Gäste des Hotels zum Lachen
bringen sollte. Zu diesem Zweck hatte er alle Haare abrasiert, die auf seinem
perfekt geschnittenen Körper wucherten. Er sah jetzt aus wie einer, der
aus Berufsgründen schwimmt. Also ich meine: der aus Berufsgründen
schnell schwimmt.

Aus: Die kleinen Raubtiere unter ihrem Pelz. Rimbaud Verlag, 2008

Claudia Gabler   06.03.2009     Druckansicht   Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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Lyrik