Róža Domašcyna: Die dörfer unter wasser sind in deinem kopf beredt

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Die dörfer unter wasser 
• Reihe Neue Lyrik – Bd. 12
• Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 
• poetenladen 2016
• Hardcover 128 S. 
• ISBN 9783940691828


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Róža Domašcyna: Die dörfer unter wasser sind in deinem kopf beredt 

Róža Domašcyna ist eine Bewohnerin des poetischen Zwischenraums der Zweisprachigkeit und gehört zu den wichtigsten Stimmen der deutsch-sorbischen Dichtung. In ihrer Lyrik erweist sie sich als Wortschöpferin und Sprachspielerin, die uns in assoziative Wortwelten führt. Aber vor allem ist sie eine radikale poetische Mahnerin. Das Thema der Natur- und Kulturzerstörung, nicht zuletzt durch das großflächige Abräumen von Braunkohle in ihrer Heimat, der Oberlausitz, ist in ihren Texten gegenwärtig. Die untergegangenen Dörfer kehren in ihre Dichtung zurück:

das land das vater und mutter trug
umgegraben gänzlich der begriff
zuhause zur floskel geworden

Róža Domašcyna, geboren 1951 in Zerna bei Kamenz (Oberlausitz), lebt heute in Bautzen. Sie schreibt Lyrik, Dramatik, Essays und Kurzprosa und ist Herausgeberin und Übersetzerin. Von 1968 bis 1989 Veröffentlichung einzelner Texte in sorbischer Sprache in Zeitschriften und Anthologien, erster Lyrikband Wróćo ja doprědka du in sorbischer Sprache 1990, erster Lyrikband in deutscher Sprache Zaungucker 1991. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit Förderpreisen zum Mörike-Preis und zum Ćišinski-Preis sowie mit dem Anna-Seghers-Preis.

Die stimme unter den worten 

es ist leicht am strand dieses gemachten sees
zu schlendern und sich zu sagen: alles ist gut
das wellenspiel verwischt dies nicht: die dörfer
unter wasser sind in deinem kopf beredt
der rundanger die mühlsteine baumstümpfe
liedfetzen wortstämme die art wie gesprochen wurde
hier also war etwas kenntliches ein erkennen
bewegter bilder der vorfahren ihrer physiognomie
der fluren die gründlich getilgt sind – was nützt es
sich zu sagen: ich spiegele meine gesichtszüge
im wasser und das weggehobelte verdränge ich:
zu erkennen sind die züge eines menschen
der seine historie getilgt hat die züge
eines besitzlosen ohne hungerleid darbend
nach der landschaft des ich haltlos
beim versuch akzente in weite gegenden zu setzen
unstet ohne diese geflutete quelle – was nützt es
sich zu sagen: ich war es nicht ich wollte das nicht 

Róža Domašcyna

Die dörfer unter wasser sind in deinem kopf beredt
Reihe Neue Lyrik – Band 12
Herausgegeben von Jayne-Ann Igel,
Jan Kuhlbrodt und Ralph Lindner
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
ca. 128 S., Hardcover, € 18,80
ISBN 978-3-940691-82-8
poetenladen Verlag, Hernst  2016