Anne Dorn: Jakobsleiter

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Gedichte
• Nachwort von Jan Kuhlbrodt
• Hardcover, 88 Seiten
• poetenladen 2015
• ISBN 978-3-940691-68-2

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Anne Dorn:  Jakobsleiter

Anne Dorn, Jahrgang 1925, legt nach ihrem außergewöhnlichen Lyrikdebüt (Wetterleuchten, 2011) ihren zweiten Gedichtband vor. Noch einmal poetisch verdichtet finden sich hier all ihre Themen von der Naturbetrachtung bis hin zur Vergänglichkeit, biblische und mythologische Motive eingeschlossen. Ihre Gedichte wirken geerdet und beziehen den Alltag mit ein, doch zugleich formulieren sie Utopien und haben den Kometen am Himmel im Blick.

Gedichte, die uns absolut etwas zu sagen haben. Büchermarkt zu Anne Dorn Gedichten, Hajo Steinert

Die unspektakulär eindringlichen Gedichte Anne Dorns springen und knistern wie ein elektrischer Funken zwischen den Polen Vergangenheit und Gegenwart und leuchten dabei mit einem eigentümlich phosphoreszierenden Licht. die horen, Cornelia Jentzsch

 Anne Dorn wurde 1925 in Wachau bei Dresden geboren und lebt heute als Schriftstellerin in Köln. Sie verfasste mehrere Romane (zuletzt: Spiegelungen, Dittrich Verlag), Hörspiele und arbeitete für das Fernsehen. Ihre Gedichte erschienen regelmäßig im Jahrbuch der Lyrik. Nach ihrem Band Wetterleuchten, der in der Reihe Neue Lyrik (Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, poetenladen Verlag 2011) erschien, ist Jakobsleiter ihr zweiter Gedichtband.

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Aus dem Nachwort

Von realer Gegenwart
Jan Kuhlbrodt zu den Gedichten von Anne Dorn

"Heute Nacht stand ein Komet
über dem Haus.
Die Wege glitschen."

Das Zitat, das hier als Motto für das Nachwort steht, stammt aus dem Gedicht Kalter Regen und eröffnet das Spannungsfeld, das die Gedichte des vorliegenden Buches prägt. Den Blick an das Ferne gerichtet, gilt es, den Weg nicht aus den Augen zu lassen. Wir wollen geerdet bleiben. Und dennoch formulieren Anne Dorns Gedichte Uto­pien, sowohl hinsichtlich eines Ziels als auch mit Blick auf die Herkunft.
»Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Ent­äuße­rung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.«


So endet Ernst Blochs Prinzip Hoffnung, und wie bei Bloch die Hoffnung keine zeitliche Richtung kennt, hält sie sich auch bei Anne Dorn nicht an einen Zeitstrahl, und wie Bloch greift Dorn den utopischen Gehalt der religiösen Erzählungen auf, nimmt ihn Ernst wie eben auch den Weg.
Jakobsleiter ist der zweite Gedichtband der Kölner Au­torin. Nicht nur der zweite, der im Verlag Poetenladen erscheint, sondern der zweite überhaupt. Erst der zweite, möchte man sagen, schaut man auf das Geburtsdatum der Autorin und auf die Gedichte, die ein feines und ausgeprägtes Verständnis für Rhythmik und Form verraten.


Aber dieses »erst« sagt nichts, verrät nichts von den Ge­gebenheiten des Jahrhunderts, das Anne Dorn prägte, ihr Wege eröffnete, vorschrieb und verstellte, die Begrenzung der Mög­lich­keiten, gerade für Frauen nicht nur auf künstlerischem Gebiet.


Geboren wurde Anne Dorn 1925 im sächsischen Wachau bei Dresden, wo sie auch die größte Zerstörung durch- und überlebte, die von deutschem Boden ihren Ausgang nahm. Den überwiegenden Teil ihres Lebens verbrachte sie aber nicht an der Elbe, sondern am Rhein, wo sie in verschiedensten Berufen arbeitete, immer aber in solchen, die Handwerk und Kunst miteinander auf vielfältige Art und Weise verbinden. Und vielleicht liegt hier die Schnittstelle von Film, Kostümbildnerei, zwei Bereichen, in denen Dorn tätig war, und Lyrik: in einer Verfeinerung des handwerklichen Vermögens, in einer Ver­­­vollkommnung der künstlerischen Techniken und der Ent­wicklung von Kommunikationsfähigkeit.
Noch immer krankt das Dichterbild hierzulande an der Vorstellung des einsamen Genies. In ein solches Bild passt natürlich die berufstätige Mutter nicht, die neben ihrer künstlerischen Tätigkeit vier Kinder großzieht, während der Kinds­vater in verrauchten Kneipenzimmern mit anderen Heroen der Dichtung die Zukunft der Lyrik diskutiert.


Dabei gehört auch Anne Dorn zu jener Autorengruppe, die den Rheinischen Realismus ins Leben rief, genannt seien Wellershoff, Herburger, Born und nicht zuletzt Brink­mann, Autoren, die nach dem zweiten Weltkrieg versuchten, die Ge­sellschaft und die Kunst auf neue moralische Füße zu stellen. Aber die Herren waren sich ihrer Sache wohl noch sehr sicher und machten keinen Zentimeter Platz. Dorn jedoch entwickelte in den oben genannten Arbeitsbereichen und auch im Hörfunk ihr Vermögen, das sich an der Struktur ihrer Gedichte erweist.
Anne Dorn legt mit Jakobsleiter also einen Gedichtband vor, in dem sie Erinnertes mit Gegenwärtigem engführt. Geschichte erweist sich hier als Erfahrungsspeicher, der eingeübtes Ver­mögen aufhebt und wieder zugänglich macht, vergegenwärtigt im besten Sinne.

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