Jürgen Nendza: Mikadogeäst

Neu

Gedichte aus 20 Jahren
• Nachwort von Jürgen Egyptien
• Klappenborschur, 128 Seiten
• poetenladen 2015
• ISBN 978-3-940691-71-2

• alle Bücher portofrei 
• Versand mit beiliegender Rechnung 
• keine Registrierung nötig 
  (als Gast kaufen)

Mehr Infos

16,80 €

Details zum Buch

Jürgen Nendza:  Mikadogeäst

Dieser Band versammelte ausgewählte Gedichte des Lyrikers Jürgen Nendza und gibt Einblick in 20 Jahre seiner dichterischen Arbeit. Das Spektrum reicht von Gedichten lang vergriffener Gedichtbände wie Finistère bis hin zu Beispielen aus seinem neuesten Band Apfel und Amsel. In acht Kapiteln klingen Themen und Motive an, die - über die Jahrzehnte hinweg - für sein Werk prägend sind. 


„Weder in der strengen Ordnung noch in der gänz­lichen Auf­lösung der Kon­turen finden Nendzas Gedichte ihren Weg, sondern in einer Art Zwi­schen­welt, am Rand der Bilder und Wahr­neh­mungen, dort also, wo Grenz­flächen­span­nung spürbar wird.“ 
Neue Zürcher Zeitung 

„Jürgen Nendza ist ein Archi­tekt poeti­scher Schwebe­zu­stände.“ 
Westdeutscher Rundfunk

Zum Buch im Verlag

Aus dem Nachwort

»Wir treffen uns im Apfel«
Versuch über Jürgen Nendzas Dichtung
Von Jürgen Egyptien

Sieben ist eine besondere Zahl, und so hat es seinen guten Sinn, wenn Jürgen Nendza nach sieben Gedichtbänden nun eine Auswahl aus mehr als zwanzig Jahren lyrischen Schaffens vorlegt. Man sieht sofort, dass man es mit einem Werk von ganz eigener Gestalt und Tonlage zu tun hat. Schon früh beginnt sich die zweizeilige Strophe als die bevorzugte Form herauszuschälen. Ab dem dritten Band Landschaft mit Freizeichen (1996) dominiert sie seine Gedichte, und nicht wenige von ihnen verkürzen die letzte Strophe noch weiter zum Einzelvers. Auf diesem Hintergrund sticht der Zyklus ...sagen die Luftwurzeln aus der Rotation des Kolibris (2008) mit seinen einstrophigen, bis zu 23 Verse umfassenden Gedichten heraus. Darauf wird zurückzukommen sein.

Die Vorliebe für die zweizeilige Strophe ist kein Manierismus, sie ergibt sich schlüssig aus der Verschwisterung von Nendzas Dichtung mit dem Element Luft, genauer: aus ihrer Grundtendenz der Levitation und des Verschwebens. Durchlässigkeit und Transparenz sind weitere Eigenschaften der Kurzstrophe, die Nendza nach vorne und hinten offenhält. Das heißt, die Verwendung des Enjambements ist nahezu der Regelfall, der syntaktische Bogen reicht über Zeilen- und Strophenenden hinaus. Aus dieser Neigung zur Übergänglichkeit des Sprechens resultiert Nendzas Nobilitierung des ‚und’, das gelegentlich den Satz startet, so als schlüge man einen Nagel in die Luft. Der Titel des vierten Gedichtbands und am Satzende das Weiß (1999) unterstreicht das.
Die Versifikation arbeitet auch sonst methodisch der sich abschließenden Einheit der Zeile entgegen. Von Beginn an fällt auf, wie sehr Nendza die Zeile mit Zäsuren durchschießt. Nicht selten weist eine einzelne Zeile zwei Satzschlusszeichen auf, zerklüftet den Vers durch die Kombination aus Punkt, Doppelpunkt, Fragezeichen. Mit dieser Technik gehen die freirhythmische Metrik und die Reimlosigkeit ein natürliches Bündnis ein. Wo, selten genug, einmal ein Reim auftaucht, wie in einigen der dreistrophigen, aber nur siebenzeiligen Finistère-Gedichte (1993), ist er in möglichste Ferne gerückt und als Klangeffekt praktisch kassiert. Freilich sind klangästhetische Akzentuierungen der Sprache Nendzas nicht fremd. Es gibt durchaus geballte Alliterationen. So beginnt das Gedicht Landschaft mit der Zeile „Landschaft aus Brotpapier, Birke und Boot“, in den Singenden Kirschen liest man die Zeile „Kilometerstein, Konjunktion und Kreuzung. Dein Kopf“, in Hinterland III steht die asyndetische Wortfolge „Stromsperre, Störung, Streckenmeister“, und im siebten Gedicht des Luftwurzel-Zyklus begegnen die Verse „spannt deine Brust / Bogen, Braue und Bucht.“ Es lässt sich daher nicht behaupten, dass diesen Gedichten jede Musikalität abginge, sie verfügen allerdings über eine gleichsam antimimetische. Das heißt, sie besitzen einen eigenen Rhythmus, der sich keiner vorgefertigten Melodien bedient, vielleicht könnte man sie am ehesten mit einem synkopenreichen Jazz in Verbindung bringen.

Verwandte Bücher