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Der zugang ist gelegt  –  allons!

Ich habe den zugang ich logge mich ein der zugang ist eigens für mich gelegt wie eine dünne kanüle in den arm durch die der datenfluss übertragen wird nein es ist nur der eintritt in den unendlichen raum auf einen quadratnanometer gefallen die maschinensprache erscheint mir zu schwer ich verdünne sie mit meinem blut lege ihr die linke hälfte hin erkläre die schlachten zu virtuellen schlachten den hunger zu virtuellem hunger den schmerz zu virtuellem schmerz und die liebe wer hätte das gedacht damals als wir mit den füßen abstimmten und london rom moskau und paris zusammen nur in unserem kopf existierten

Meine schwester mit dem zerrütteten körper hat gestern sogar mit der braut getanzt mein bruder verliert haar um haar und kann den flügel nicht mehr von der stelle bewegen er erklärt die datenkompression zum obersten gebot und unterstellt der menschheit ein heer von servern ob sie das wissen das zu schätzen wissen die an krücken gehen die noch selbst essen und selbst sterben und ihre verwandten zu grabe tragen ob auch sie manchmal das passwort vergessen so wie ich nachts danach verzweifelt suchen neben dem bett unter dem bett hoffen dass es im traum erscheint eine endliche reihe zufälliger zahlen von einem übermüdeten gehirn für eine botschaft der götter gehalten

Mehr als die echtzeit haben wir nicht das müssen sie glauben und was wir in den nächsten millionen jahren nicht berechnen das wird als problem mit der sonne verglühen das kann doch nicht egal sein ich erinnere mich hell an die zeit vor der zeit als ich einfach so die hand hob einen schritt machte einen gedanken verfolgte ohne zuvor eine gebrauchsanweisung zu lesen da lächelten die bilder noch von den tribünen vom altar herunter jetzt verwalte ich den mangel an schuhen möbeln ideen an hoffnung an gesundheit den mangel im system ich speichere alle vereitelten reisen ich gebe einer jeden eine nummer eindeutig zugeordnet für den abruf bereit

Ich habe den zugang nicht habe keinen zugang bin hinter glas aus dem restaurant entfernt aus dem abgesetzten stück die entlassene souffleuse kann die sportschau nicht life sehen frage nach dem passwort wer weiß wie sehr es in meinem kopf zu klappern anfängt die gebete die gebote das gebot der stunde ein eintopf gegen den ersten hunger und den zweiten und der dritte wird gefangen mit stäben und mit stangen dein passwort sagt mein bruder das steht doch in der zeitung ich begegne dem zweiten dem dritten dem zwanzigsten wir feiern die virtuelle vielfalt wir vergessen ganz und gar wir vergessen dass wir vergessen wir stürzen mit allen programmen bodenlos bis der speicher versagt

Bärbel Klässner           Print

Bärbel Klässner
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