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Reisen ohne zu reisen verlangt mutig den fuß über grenzsteine setzen ein butterbrot lang ist der hunger gestillt bis die backsteingebäude aus der landkarte treten es nach kreidestaub riecht nach fruchtmilch nach schweiß die verschnürten stimmen hinter der linie immer bereit immer bereit erst nach dem mittag kehren sie heim in die winzigen winkel der puppenstube öffnen die tapetentür erwarten an der wand lehnt ein insekt klatscht in die hände böhmische blasmusik spielt auf es schwanken die bilder zittern die rahmen rückwärts geht die uhr versucht gutartige wörter zu beschwören schutzmann mühlstein schaukelpferd aus jetzt sehe ich über der elbe die blitze aus zerschossenen wolken fällt die flut jemand erklärt mir den verlauf des flusses den verlauf der dinge die folge von vätern kriegen kranken und erben ich schließe meine hände um kaltes metall beuge mich ich muss mich übergeben an die reise ohne reise an den knöchernen chauffeur

Bärbel Klässner           Print

Bärbel Klässner
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