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Anne Klapperstück
In der Schokoladenfabrik
Stell dir eine Halle vor mit gelbgrauer Decke und gelbgrauen Wänden. Du siehst keine Fenster und keinen Notausgang, aber ein Fließband über das kleine Halbkugeln und Quadrate aus Schokolade laufen. In langen Reihen sitzen Gestalten um das Band wie große Vögel. Ihre Kittel sind grün, ihre Hauben weiß. Das Band läuft. Knicken einem der Gestalten die Beine weg, erhöht das Band seine Geschwindigkeit um 15 Prozent. Du glaubst nicht an Träume, dann geh näher heran und du stellst fest, dass die schweigsamen Vögel Hohlkörper sind, die splittern, wenn du ihre Hand ergreifst.
Stell dir vor, du wirfst eine handvoll Pralinen an die Wand, aber nichts passiert.

Die Schokolade, die ich für dich ausgesucht habe, mein Schatz, hat weiße Flügel und spricht russisch. Ich mach dir eine Tüte zurecht für zu Hause. Stell dir vor, wir liegen auf deinem Bett und essen Schokolade. Du siehst nach oben und stellst fest, dass auch deine Decke gelbgrau ist. Auch bei dir gibt es keine Fenster und keinen Notausgang. Dich stört das nicht. Stell dir vor, dass dich das jetzt nicht stört. Du drehst dich um und siehst mich an und ich weiß, was du dich fragst. Du schläfst ein und ich halte deine Hand bis der Morgen kommt.

Anne Klapperstück       18.07.2008       Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Anne Klapperstück
Prosa