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Anke Bastrop
Feines Geäst
An kurzem Draht geräucherte Forellen, ein paar trockene Gräser zwischen den Schuppen, jetzt in heller werdender Färbung. Zwischen Planen ein geleinter Schafsbock mit roten Augen, zwei, drei Wassereimer, ein Anhänger bis an die Ränder gefüllt mit Wirsing, Lagen von Papier, fahlen Kohlköpfen. Ein zerzauster Tennisball über der Kupplung, das Wehen der Flusen, die rußigen Hinterreifen in einer kleinen weißen Feuerstelle. Zerstäubte Reste von Holz.

Wütige Hunde bellen die Dorfstraße an, diese Schnur blätternder Türen. Eine steht so geduckt wie die andere, feine Lackspäne häufeln sich auf den Schwellen, Horte von Spitzwegerich, Farn. Hin und wieder ein windschiefes Brett im Verschlag, kein Name, keine Klingel. Es gilt, sich zu verlassen.

Von einem angenagten Birnenstamm halb verdeckt ein Junge, der ein Hühnerbein lutscht, abgepultes Fleisch in der linken Hand. Den Blick fest auf die Obstfliegen gerichtet, die über dunklen Trauben auf Papptellern flirren, harte Zischlaute durch die Zahnlücken hindurch, den Hühnerknochen unbeirrt im Mundwinkel. Zerschlissen die dünne Haut auf den Lippen. Langsam nachwachsende Rinde.

 

Anke Bastrop   01.05.2007   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

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