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motten

sind es die motten oder reißt uns die naht. unsere jacke hat löcher. dort schaut unsere haut zart hervor. sind es motten und haben sie eier gelegt oder ist uns die naht hier gerissen. sind es motten. unsere haut ist doch gnadenlos weich, ideal geradezu für den falter der nacht. sie ist kühl unter wolle, ja und samten. sie ist kühl für den falter. sind es motten oder reißt uns die naht an der jacke. sind schon eier gelegt.

unsere jacke hat löcher. an der achsel beginnt es. und wie wird das enden. ob die jacke uns trotzdem im winter noch wärmt. nagen zweifel. an der achsel, da hat es begonnen erst gestern. und wie wird das enden. nimmt es einmal den lauf mit der zeit.

und was ist denn dabei, fragen wir, tineola. wenn die löcher die jacke besiegen. was schon. nagen motten die wolle in gierige mäuler und mahlen den stoff klein wie mühlen. oder reißen uns nähte, platzen auf über weitvollen lungen. und was ist denn dabei. und wie wird das enden. nimmt es einmal den lauf mit der zeit.

an der achsel beginnt es. die haut dort ist zart und mit ängstlichen poren versehen. sie ist kühlsamtenweich, ideal geradezu für den falter, die motte, die gierigen mäuler, die mahlen den stoff klein wie mühlen. sind die eier gelegt. und wird das je enden. reicht der schweiß denn für alle.

und was ist dabei, fragen wir, tineola. wenn die jacke die löcher besiegt. was schon. wenn der schweiß uns ab heute gerinnt, unsere haut sich so trocken erhitzt, dass ihr euch die flügel versengt. wie das endet. bricht es einmal den lauf mit der zeit, schließen nähte sich schadlos von selbst. an der achsel, da hat es begonnen, erst gestern. und was ist dabei, wenn es endet ab jetzt.

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